Nachdem Bardenhagen im Frühjahr 2026 die Zulassung der Blasenabsperrung als erlaubtes Sonderverfahren zur Leitungsabsperrung im laufenden Betrieb von Fernwärmeleitungen erhalten hatte (siehe hier), haben wir mehrere Anfragen zu konkreten Projekten von Fernwärmeunternehmen in Deutschland und Österreich erhalten – es war nur eine Frage der Zeit, bis das erste konkrete Projekt stattfindet. Und der Gewinner des Rennens war viel näher am Bardenhagen-Hauptquartier als erwartet: die Stadtwerke Stade ! In Stade-Hahle wurden im August neue Abwasserkanäle verlegt. Ein Düker in der Fernwärmeleitung, die diesen Stadtteil versorgt, war im Weg und musste durch gerade Vor- und Rücklaufleitungen ersetzt werden. Es handelte sich um 2 übereinander liegende DN 125 Stahlrohre, die gemeinsam isoliert und mit einem Kunststoffmantel versehen sind, ein sogenanntes isoplus-Doppelrohr. Die im Sommerbetrieb befindliche Leitung wies immerhin noch eine Betriebstemperatur von 72°C und einen Druck von 4,5 bar im Vorlauf und 3,2 bar bei 55°C im Rücklauf auf.

Dieses aufwendige Projekt erforderte jeweils 2 separate Absperrungen des abzutrennenden Leitungsstücks auf jeder Seite, mit denen die nahe Bardenhagen-Niederlassung Horneburg beauftragt wurde. Die Stadtwerke Stade entschieden sich hier für das neu für die Fernwärme zugelassene Verfahren der Blasenabsperrung statt einen aufwendigeren sogenannten Line Stop zu beauftragen.

Neben dem Bardenhagen-Projektleiter Oliver Volkmann und 2 Technikern war auch der vom Branchenverband AGFW zugelassene Gutachter Wolfgang Fellmann projektbegleitend anwesend, der die Gelegenheit nutzte, um die Blasenabsperrung im praktischen Umfeld zu bewerten. Seitens der Stadtwerke Stade wurde das Projekt geleitet von André Royke, der auch das mit dem Aufschweißen der Anbohrkugelhähne beauftragte Fachunternehmen beaufsichtigte.

Für das Projekt wurden 3 Tage veranschlagt: Am ersten Tag wurden die 4 Hot Tap Anbohrungen mit einem Durchmesser von Ø95mm im laufenden Betrieb hergestellt. Am zweiten Tag wurden die Schleusen mit den zusammengelegten Blasen auf den aufgeschweißten Kugelhähnen installiert, so dass am dritten Tag die Blasen in die Rohrleitungen eingeführt und mit Stickstoff aufgeblasen werden konnten.

Die 4 Absperrungen waren erfolgreich, so dass das Leitungsstück herausgetrennt werden konnte. Ein Fachunternehmen schweißte dann die geraden Vor- und Rücklaufrohre ein, so dass die Blasen nach einer Haltezeit von 9 Stunden entleert und evakuiert werden konnten. Anschließend wurden die Flansche der Kugelhähne abgetrennt und mit Klöpperböden fest verschweißt, sodass diese isoliert und erdverlegt werden konnten.

Das frisch für die Fernwärme zugelassene Sonderverfahren der Blasenabsperrung hat damit auch den ersten Praxistest erfolgreich absolviert.

  • Ursprüngliche Leitungsführung
    Ursprüngliche Leitungsführung
  • Druckprobe inkl. Leckageprüfung
    Druckprobe inkl. Leckageprüfung
  • Anbohren der Rohrleitung - Hot Tap
    Anbohren der Rohrleitung - Hot Tap
  • Fachgespräche beim Anbohren
    Fachgespräche beim Anbohren
  • geborgene Anbohrronde
    geborgene Anbohrronde
  • Montage Blasensetzgerät
    Montage Blasensetzgerät
  • montiertes Blasenequipment
    montiertes Blasenequipment
  • Trennarbeiten der vorhandenen Fernwärmeleitung
    Trennarbeiten der vorhandenen Fernwärmeleitung
  • Blase im Rohr
    Blase im Rohr
  • Einpassen der neuen Rohrleitung
    Einpassen der neuen Rohrleitung
  • Schweißarbeiten
    Schweißarbeiten
  • Blase nach dem Einsatz
    Blase nach dem Einsatz
  • Verschweißte Zugänge - Kugelhähne
    Verschweißte Zugänge - Kugelhähne