Bardenhagen-Gruppe

Anlagenstillstände in Zeiten des Corona-Lockdowns

Der Corona-Lockdown hat Auswirkungen auf das wirtschaftliche Leben aller deutschen Unternehmen – nicht nur der Einzelhandel und die Gastronomie büßen seit Wochen Umsätze ein, auch große Industriebetriebe müssen sich an neue Gegebenheiten aufgrund der Kontaktsperre und verschärfter Hygieneregeln anpassen. Einige für das Frühjahr geplante Anlagenstillstände wurden aus Sicherheitsgründen in die zweite Jahreshälfte verschoben.

Nach sorgfältiger Abwägung der Risiken und der durch eine Verlegung entstehenden Zusatzkosten haben sich zwei langjährige Bardenhagen-Kunden in Schwedt/Oder anders entschieden und an ihren ursprünglichen Stillstandsplänen festgehalten:

Der Komplettstillstand der thermischen Abfallverwertungsanlage KSC Schwedt, einer Tochtergesellschaft der EEW – Energy from Waste GmbH, begann planmäßig am Ostersamstag und wird voraussichtlich um Mitternacht am 10. Mai enden. Neben den rund 60 KSC eigenen Mitarbeitern sind zeitweise bis zu 570 Mitarbeiter von Fremdfirmen im Einsatz, die Teilanlagen nach Plan prüfen und reparieren bzw. für die übergreifenden Gewerke wie Rüstung, Wärmedämmung und Industriereinigung tätig sind. In der Anlage werden pro Jahr bis zu 330.000 Tonnen Reststoffe aus der Papierproduktion und  Ersatzbrennstoffe sicher thermisch verwertet. Der daraus gewonnene Dampf wird größtenteils als Prozessdampf in der Produktion der benachbarten LEIPA-Papierfabrik eingesetzt und zur Stromerzeugung genutzt.

Bardenhagen ist im Rahmen des Stillstandes verantwortlich für die Aufarbeitung von rund 250 Ventilen, Klappen, Schiebern sowie Regel- und Sicherheitsarmaturen, die zum Teil vor Ort in der KSC Anlage gewartet werden, zum Teil aber auch in der nahegelegenen Bardenhagen-Werkstatt.

Um eine mögliche Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern und die beteiligten Mitarbeiter nicht zu gefährden, hat KSC speziell für die Revision umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen angeordnet:

Ein separater Eingang zum Gelände mit Wärmebildkamera und Thermometer wurde eingerichtet, so dass jeder Kontraktor mit erhöhter Temperatur sofort erkannt wird. In kritischen Bereichen, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen nicht gewährleistet ist, herrscht Maskenpflicht – dies gilt besonders in Fahrstühlen und für die Wartebereiche davor, Treppen und Aufenthaltsräume.

Neben Kontraktoren aus verschiedenen Regionen Deutschlands arbeiten auch Techniker aus anderen europäischen Ländern am KSC Stillstand mit – das Einhalten der Sicherheitsregeln wird gewährleistet, indem die Abstands- und Hygieneregeln während der Arbeit befolgt werden und die Kontraktoren dann unter Einhaltung der Brandenburgischen Eindämmungsverordnung in ihren Unterkünften bleiben. Auch für das leibliche Wohl hat KSC gesorgt: Neben der Kantine steht auf dem Werksgelände jeden Tag ab 16:30 ein mobiler Supermarkt, bei dem man Lebensmittel bestellen und am nächsten Tag abholen kann.

Der Stillstand in der Raffinerie PCK ist um einiges größer als beim Nachbarn KSC: Zusätzlich zu den 1.200 PCK eigenen Mitarbeitern sind rund 1.000 externe Kontraktoren seit dem 23. April dabei, 4 wichtige Anlagen und das PCK-eigene Kraftwerk zu überholen.

Vor Beginn des Stillstandes war noch fraglich, ob die Arbeiten planmäßig bis Mitte Mai beendet werden könnten, weil nicht sicher war, ob Mitarbeiter einiger Kontraktoren aus dem benachbarten Ausland aufgrund der verschärften Einreisebestimmungen rechtzeitig vor Ort in Schwedt sein würden. Aufgrund von anderen Stillständen, die coronabedingt abgesagt wurden, konnte die notwendige Zahl an Technikern jedoch von allen beteiligten Firmen sichergestellt werden.

Voraussetzung für diesen Großstillstand während des Corona-Lockdowns war die schnelle und flexible Umsetzung eines stringenten Sicherheits- und Hygienekonzeptes : Ein- und Ausgänge für die Kontraktoren sind räumlich getrennt, bei allen Arbeiten wird auf einen Mindestabstand zwischen den beteiligten Technikern geachtet, deren Versorgung statt wie üblich in der PCK-eigenen Großkantine über Lunchpakete erfolgt. Obligatorische Temperaturmessungen beim Betreten der Anlage sowie Maskenpflicht stellen sicher, dass mutmaßlich infizierte Personen sofort erkannt werden. Regelmäßige Hygienepatrouillen sorgen für die strikte Einhaltung aller Maßnahmen.

Die Bardenhagen Niederlassung Schwedt, die direkt auf dem Gelände der PCK beheimatet ist, verantwortet wieder Reparatur und Instandsetzung eines Großteiles der Hand-, Regel und Sicherheitsarmaturen der Anlagen im Stillstand. Die Sicherheitsmaßnahmen der PCK gelten natürlich auch für alle Bardenhagen-Mitarbeiter und werden konsequent auch in der Werkstatt umgesetzt. Außerdem übernimmt Bardenhagen sämtliche mobilen Bearbeitungen sowie ein anspruchsvolles Sonderprojekt, für das der  Stillstand genutzt wurde: Ein Stutzenwechsel von DN150 auf DN400 an einem Behälter mit einer Wandstärke von 60 mm. Dafür wurde eine Hot-Tap-Maschine zum Ausbohren des aktuellen Stutzens ausgewählt und mit einem Cutter Ø 370 mm ein Basisloch geschaffen, um danach mit einer mobilen Ausdrehmaschine den benötigten Durchmesser von 410 mm zu erreichen.

Video: Hot-Tap Maschine im Einsatz bei PCK